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Aus meiner Nische

Die Sonne verschwindet bereits hinter den ach so hübsch gefärbten Fertighäusern und hinterlässt nur ein samtiges Glühen, das die Welt in verschiedenen Rottönen verweilen lässt. Das sauber abgegrenzte Rasenstück, natürlich regelmäßig gepflegt, gemäht und entmüllt, wird zu dieser fortgeschrittenen Stunde nur noch von zwei Tauben bevölkert.
Einsam, unermüdlich, doch vergeblich schleppen sie sich über das rote Grün. Suchen dieselbe Stelle immer und immer wieder ab. Wenigstens gibt es hier keine Menschen die zu wichtigen Besprechungen und attraktiven Verabredungen müssen, denen sie im Wege stehen könnten. Das ungeliebte Volk der Lüfte kriecht ehrlos über die Erde um ihre karge Ernte einzuholen. Nur um dann im strömenden Regen den Kopf unter das Gefieder zu stecken, um wenigstens etwas Schlaf zu finden.
Von meinem Platz auf dem Balkon sieht das alles irgendwie seltsam entfernt aus. Bedrückend, aber kaum berührend, weil die Nähe fehlt. Und doch sind sie keine zwanzig Schritt entfernt.
Der alltägliche Trauermarsch derer, die von uns nicht beachtet werden können – weil wir uns natürlich mit so viel Wichtigerem beschäftigen müssen, von unseren berührungsgesteuerten Mobiltelefonen bis hin zu unseren biologisch abbaubaren Einkaufstaschen – ist uns ein so vertrauter Anblick, dass selbst das Herz sich kaum noch aufbegehren mag.
Ich ziehe ein letztes Mal an meiner Zigarette, ehe ich sie in meinen sturmgeschützten Aschenbecher zu werfen. Der Tag ist vorbei, die Nacht entfaltet ihre Flügel und lädt zu einer neuen Gelegenheit zum Vergessen ein.
14.6.13 22:13
 


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